Von der Kraft, das eigene Tempo zu leben



Die moderne Zeit hat unsere Gesellschaft geprägt. Alles muss schnell gehen, am besten alles parallel, bitte noch zu 100 % perfekt und die Signale deines Körpers werden völlig überbewertet.


Als kleines Kind war der Zeitfaktor unwichtig. Man brauchte uns nicht vom Urlaub erzählen, der erst in 3 Monaten stattfinden soll, was wir am Wochenende bei der Geburtstagsfeier anziehen würden, war uns egal und Gedanken über ein Problem, welches vielleicht erst eventuell in einem Jahr auftritt, hätten uns schlichtweg überfordert. Wir lebten im Hier und Jetzt. Wir trödelten durch die Landschaft, spielten stundenlang in einer Pfütze oder mit ein paar Murmeln und was wir als nächstes essen würden, war weit weg. Wir taten das, was gerade unsere Aufmerksamkeit fesselte, häufig zum Ärgernis unseres erwachsenen Umfeldes, welches mit einer ganz anderen Taktung unterwegs war. Und nachdem der ein oder andere Worte wie „Beeil dich mal“, „Trödle nicht so rum“, „Gib mal Gas“, „Mach mal hin“, „Renn nicht so schnell“, „Mach doch mal langsam“ hörte und den Ärger des anderen spürte, haben wir - weil wir geliebt werden und dazu gehören wollten - unser eigenes inneres Tempo verdrängt. Einige Erwachsene haben die Worte vielleicht noch mit Schieben, Schubsen, Ziehen oder Drücken unterstrichen. Und so kann es durchaus sein, dass wir heute - selbst erwachsen - ziemlich empfindlich reagieren, wenn jemand sehr dicht an uns herantritt oder seine Hand auf unsere Schulter legt oder im Strassenverkehr oder Supermarkt drängelt. Alles in uns ist in Alarmbereitschaft. So kann der eine vielleicht feststellen, dass er wie unter Strom steht, beim anderen werden die Schultern angespannt oder die Atmung wird flacher oder unmerklich angehalten und ein Dritter muss den Impuls unterdrücken, um nicht die Hand von der Schulter zu schlagen. Das können alles Signale des Körpers sein, dass wir nicht in unserem ureigenen Tempo unterwegs sind.

Nicht sein eigenes Tempo zu leben, wirkt auf vielen verschiedenen Ebenen. So kann es durchaus sein, dass wir andauernd das Gefühl haben, in einem „unbewussten“ Konkurrenzkampf zu stecken, in dem ich mich anstrengen muss, um am Ball zu bleiben. Oder mein innerer Antreiber macht Druck, damit ich mir den Tag noch voller packe, noch mehr erlebe, noch mehr ausprobiere, weil ich ja etwas verpassen könnte, immer auf der Flucht vor meinen eingefrorenen oder unterdrückten Gefühlen, nicht gut zu sein, so wie ich bin. All dies ist in den Zellen unseres Körpers und auch im Solarplexus abgespeichert und wartet darauf wahrgenommen und angenommen zu werden, um letztendlich in Heilung gehen zu können. Dadurch wird eine weitere Schutzschicht abgetragen auf dem Weg zu unserem inneren Kern, in dem wir spüren, dass wir genau richtig sind.